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Staatssekretär Karl-Josef Laumann zu Besuch im Wahlkreis

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege, Staatssekretär (StS) Karl-Josef Laumann war am 28. April 2015 auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Matern von Marschall im Wahlkreis Freiburg unterwegs, um das neue Pflegestärkungsgesetz zu erläutern und sich vor Ort ein Bild der Situation zu machen. Mit Staatssekretär Laumann hat die Pflege ein prominentes Gesicht und eine gewichtige Stimme bekommen. In einer alternden Gesellschaft müssen Angehörige und Pflegedienstleistende gestärkt, die Pflegeausbildung den neuen Erfordernissen angepasst und der Pflegeberuf attraktiv gestaltet werden, um Nachwuchs für diese wichtige Aufgabe zu gewinnen. Vor allem aber muss die Pflege entbürokratisiert werden, damit die wertvolle Pflegezeit den Menschen gewidmet werden kann und die Pflegenden nicht im Papierkram ertrinken. Dem dient die neue Gesetzgebung und ein verschlanktes Dokumentationsmodell, das Staatssekretär Laumann nach einer Pilotphase nun ab Mai auf einer Tour in ganz Deutschland vorstellt. Sein Besuch in Freiburg war dazu gewissermaßen der Auftakt.

HELIOS Klinik, Universitätsklinik und Evangelisches Stift

Von der HELIOS Klinik in Breisach ging es zur Freiburger Universitätsklinik und schließlich zum Evangelischen Stift in Freiburg, wo das 4. Marschall-Forum stattfand zum Thema „Zukunft der Pflege“. In Breisach sprachen der Ärztliche Direktor  der Klinik, Dr. Bernd Walter, Frau Villing von der internistischen Station, die Pflegedienstleiterin, Frau Hegel, die Sozialarbeiterin der Klinik, Frau Schmidt sowie Pflegedienstleiterin Petra Gebert von der Sozialstation Breisach mit der kleinen Delegation. Gekommen waren auch Breisachs Bürgermeister Oliver Rein und Landrätin Dorothea Störr-Ritter, die im Aufsichtsrat des Klinikums ist.

Zukunftsaufgaben der Pflege

Es zeigte sich, dass eine der großen Zukunftsaufgaben  der Gewinn von Nachwuchs im Pflegebereich sein wird. Wie  können künftig Pflegeberufe für junge und durchaus auch ältere Menschen, die eine neue Arbeit suchen, attraktiver gestaltet werden? Wie sind Aus- und Fortbildung für Pflegekräfte zu entwickeln, um diese  den gewachsenen Aufgaben – Stichwort Demenz – anzupassen? StS Laumann wies darauf hin, dass die Pflegeberufe zunehmend vielfältiger sein werden. Trotzdem wird auch künftig sicher nur ein begrenzter Teil der Pflegeberufe akademisiert werden müssen. Die Grundlage soll  also  weiterhin die duale Ausbildung bleiben, die sich in vielen Bereichen in Deutschland bewährt hat und zum Vorzeigemodell über die Grenzen hinweg geworden ist. Vor allem aber soll das Bild der Pflege und der Pflegeleistenden in der Gesellschaft aufgewertet und ihre unverzichtbare Leistung gewürdigt  werden. Das bedeutet auch, die Angehörigen zu stärken, die einen ganz wesentlichen Anteil der Pflege in ihren Familien leisten.  Und sicher muss in Zukunft noch mehr getan werden, um hoch betagte und damit oft pflegebedürftige Menschen als selbstverständlichen Teil unserer Gesellschaft in deren Mitte zu begreifen und ihre Teilhabe an der Gemeinschaft zu stärken.  Auch die Pflegeeinrichtungen selbst haben sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Das ist leider oft noch nicht im öffentlichen Bewusstsein angekommen und leider tragen Medienberichte über vereinzelte Skandale in Pflegeeinrichtungen  bisweilen dazu bei, dass unser Bild  der modernen Pflege noch immer negativ geprägt ist.

Vertreter der Pflege an den Tisch holen

Mit StS Laumann hat Deutschland nun eine starke Stimme für die Pflege. Er will die Pflege aus ihrem „Aschenputtel“-Dasein herausholen, ihre Rolle und Anerkennung in der Gesellschaft und ihren Einfluss auf die Gesetzgebung stärken.  „Vertreter der Pflege müssen überall  mit am Tisch sitzen, wo es um die Zukunft der Pflege geht!“ , sagte Laumann. Das Vertrauen in die  wertvolle Arbeit der Pflegenden muss gestärkt werden. Die zweifellos notwendige Dokumentation der Pflegeleistungen darf nicht dazu führen, dass die Pflegenden den Eindruck bekommen, sie würden sinnlos und im Übermaß kontrolliert. „Dokumentation darf kein Ausdruck des Misstrauens sein“, so Laumann weiter.

 Das Notfallzentrum der Uniklinik Freiburg

An der zweiten Station der Tour, der Universitätsklinik in Freiburg, gab es zu Beginn eine Führung durch das Notfallzentrum in Begleitung des kaufmännischen Direktors Bernd Sahner.  Das auf allerhöchstem Niveau ausgestattete Notfallzentrum ist in der Lage, selbst bei  großen Unfällen zahlreiche Verletzte in kürzester Zeit zu versorgen, wie der ärztliche Leiter des Notfallzentrums, Dr. Hans-Jörg Busch schilderte. Hierzu stehen unter anderem verschiedene Schockräume zur Verfügung. Auch eine flexible und hermetische Abtrennung von hochinfektiösen Patienten ist möglich, zum Beispiel bei Seuchengefahren wie Ebola.

Herausforderungen und Finanzierung

Im Zentrum des Gesprächs am Notfallzentrum stand jedoch die unzureichende Finanzierung. Über das Jahr kommen deutlich mehr Menschen in die Notaufnahme, als dies im Kontigent für die Freiburger Uniklinik berechnet wurde. Die maximal refinanzierte „Fallzahl“ wird also überschritten. Das führt zu einer Unterdeckung der Kosten in Millionenhöhe. Die Gründe für den Anstieg von Aufnahmen sind vielfältig. Teilweise kommen Patienten direkt dorthin, statt die in der Nähe angesiedelte kassenärztliche Notfallpraxis in Anspruch zu nehmen. Schließlich gibt es eine offenbar zunehmende -wenngleich noch geringe – Zahl von Patienten, die gesundheitliche Probleme haben, aber nicht wirklich als Notfälle eingestuft werden müssen und ihren Arztbesuch auch auf die nächste reguläre Sprechstunde eines Arztes verschieben könnten.

Pflegeaufwendung und Fallpauschalen

Der zweite Themenschwerpunkt an der Uniklinik  galt der Pflegefinanzierung. Pflegedirektor Helmut Schiffer legte dar, dass die Pflegeaufwendungen an einem Universitätsklinikum deutlich komplexer und aufwändiger sein können, als dies in einem normalen Krankenhaus der Fall ist. Der Grund ist einfach: Zur Uniklinik kommen eher Patienten, die einer ganz besonderen Aufmerksamkeit bedürfen, z.B. weil sie neben der zu behandelnden Erkrankung an anderen Grunderkrankungen leiden, die die pflegerische Betreuung aufwändiger und komplizierter gestalten. Da aber heute jede einzelne Behandlung im Krankenhaus über eine je Bundesland für alle Krankenhäuser identische Fallpauschale abgerechnet wird, können Pflegemehraufwendungen, die in einer hoch spezialisierten Uniklinik eben höher sein können, nur unangemessen erstattet werden. Hier braucht die Uniklinik nach ihrer Darstellung Zuschüsse, um die Kosten für Zusatzleistungen angemessen zu decken. Schließlich machte Pflegedirektor Schiffer deutlich, dass es auch an der Uniklinik zunehmend schwierig wird, Pflegepersonal zu gewinnen. Ein Grund ist die Nähe zur Schweiz, wo die Gehälter und Arbeitsbedingungen deutlich besser sind.

Marschall Forum im Evangelischen Stift

Höhepunkt und Abschluß der Tour mit Staatssekretär Laumann war am späten Nachmittag das „3. Marschall-Forum zur Zukunft der Pflege“ im Evangelischen Stift in der Hermannstraße.  In der offenen Diskussionsrunde mit Fachleuten, interessierten Gästen und Bewohnern des Hauses  wurden die Probleme beim Namen genannt:  demographischer Wandel,  Versicherungskosten, Gehälter der Pflegekräfte, mögliche Etablierung von Pflegekammern, unterschiedliche Anforderungen in Stadt und Land und schließlich das Hauptthema, die Entbürokratisierung der Pflege. Klar wurde, dass die notwendigen Verbesserungen langen Atem und die Unterstützung der Politik brauchen. Vorstand Hartmut von Schöning, der dankenswerter Weise die Räumlichkeiten des Stifts für diese wichtige Diskussion zur Verfügung stellte, machte deutlich, dass Parlament und Bundesregierung nicht alleine auf diesem Weg sind. Ganz nach dem Motto des Evangelischen Stifts, engagieren sich die Pflegeeinrichtungen für die Zukunft ihrer wertvollen Arbeit mit Herz und Verstand, ganz nach dem Pflege-Motto: „Weil es Sinn macht“.

Dokumentationspflicht entbürokratisieren

Das aktuelle Großprojekt des Pflegebeauftragten Laumann ist die Entbürokratisierung der Pflege. Jede Minute, die an unsinniger Dokumentation für einzelne Pflegeleistungen reduziert werden kann kommt dem pflegebedürftigen Menschen zugute, der künftig im Zentrum stehen soll. Die neue Dokumentation soll sich also viel mehr am Menschen und seinen Bedürfnissen ausrichten, weniger am Selbstzweck der Bürokratie. Das so verschlankte Dokumentationsmodell wird derzeit deutschlandweit in Pilotprojekten erprobt. Nun soll es in der Fläche praktisch umgesetzt werden. Die Grundidee ist einfach: künftig sollen nicht mehr alle wiederkehrenden einzelnen Pflegemaßnahmen stets aufs Neue dokumentiert werden, sondern nur neue Pflegeleistungen, die sich eventuell ergeben.

Beurteilung der Pflegeeinrichtungen

Zum Abschluss wurde noch das bisher angewandte Notensystem zur Beurteilung der Pflegeeinrichtungen angesprochen. Staatssekretär Laumann hält es für untauglich und will es auf Dauer abschaffen: „In meiner Schulzeit war es so, dass man eine 6 in Mathematik nicht mit einer 1 in Singen ausgleichen konnte. Beim Pflege-Notensystem ist es aber so: eine schlechte Medikamentenbehandlung kann mit einer schönen Speisekarte ausgeglichen werden. Das ist Quatsch!“ Die zahlreichen Gäste freuten sich über Laumanns klare Botschaft und verabschiedeten den Staatssekretär mit Applaus.