Der von hier

Die 16-jährige Christin Angel aus Mossul feiert heute Ihren Geburtstag und hat für die Mitglieder des Bundestages, die gekommen sind, um ihr und drei weiteren Frauen zuzuhören, Schokolade mitgebracht. In ihrer Tasche sind Schulbücher, sie will die kurze Zeit in Deutschland nutzen, um in Ruhe zu lernen. Sie würde gerne Medizin studieren, ist eine begabte Schülerin und hofft auf eine Zukunft in ihrem Land – Irak. Diese Zukunft wird es für sie vorerst dort nicht geben. Schon der morgendliche Schulweg ist gefährlich. Ihre Häuser sind zerstört. Die Familien wohnen, oft zu dritt oder viert, in Containern und fürchten stetig, dass die Kämpfer des Islamischen Staates zurückkommen. Ihre muslimischen Nachbarn haben sich sofort dem IS angeschlossen, innerhalb von einer halben Stunde war die Stadt Mossul ohne Waffen eingenommen worden. Nun sind die Nachbarn von damals ebenfalls radikale Moslems. „Wenn ich ohne Hijab aus dem Haus gehe, bin ich eine Frau ohne Moral. Sie heiraten auch 8-/9-jährige Mädchen. Ich bitte darum: Lasst mich in Deutschland studieren, ich gehe auch zurück, ich will aber eine Zukunft.“. Unter der Scharia sind Frauen untergeordnet und Ungläubige ohne Schutz. Die Frauen weinen. Es fällt uns als Abgeordneten schwer, hier nur als Abgeordnete zu sitzen, zumal es keine einfachen Antworten auf die Fragen gibt.

Säkulare Strukturen, Menschenreche und die Unterstützung durch unabhängige Organisationen – nur unter diesen Voraussetzungen können die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort verbessert werden. Aber wie können diese Erfordernisse durchgesetzt werden, wenn die Kämpfe andauern und Frieden weit scheint? Selbst, wenn die Frauen in ihre Häuser zurückkehren könnten, wie würde sich das Leben mit den Nachbarn gestalten, die zuvor plünderten und sich dem IS anschlossen? Versöhnung und Dialog würden hier lange dauern. Die Frauen haben darauf keine Antwort, aber sie wollen in ihrer Heimat leben.

Christen auf der ganzen Welt sind Verfolgungen ausgesetzt. Als Parlamentarier christlichen Glaubens möchte ich mich dafür einsetzen, dass irakische Christen besser geschützt werden. Auch die Kanzlerin hat in Gesprächen mit Ministerpräsident Haidar al-Abadi häufig darauf hingewiesen, dass gleichberechtigte Lebensbedingungen und Sicherheit für Christen und andere Minderheiten im Irak stärker gefördert werden müssen. Im letzten Jahr hat die Kanzlerin Ministerpräsident Haidar al-Abadi Wiederaufbauhilfe in Höhe von 500 Millionen Euro zugesagt.

Der Stephanuskreis ist ein Gesprächsforum im Bundestag, in dem engagierte Abgeordnete für Toleranz und Religionsfreiheit eintreten und sich um die Situation verfolgter Christen in aller Welt kümmern.