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195 Staaten haben beim Weltklimagipfel von Paris ein neues Abkommen gegen die Erderwärmung beschlossen. Erstmals hat sich die Staatengemeinschaft zum gemeinsamen Klimaschutz verpflichtet. Doch ist mit dem Abkommen ein Durchbruch zu einem nachhaltigen Klimaschutz möglich? Welche Konsequenzen hat das Vertragswerk für die deutsche und europäische Klimapolitik? Über diese Fragen diskutierte der Freiburger CDU-Bundestagsabgeordnete Matern von Marschall zusammen mit dem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, auf einer Veranstaltung des Regionalbüros Südbaden der Konrad-Adenauer-Stiftung und des UWC Robert Bosch College Freiburg.

Matern von Marschall sitzt als einziger CDU-Abgeordneter aus Baden-Württemberg im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages. Im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union ist er für die Themenbereiche Klimapolitik, Energiepolitik und Umweltschutz zuständig. Als Mitglied der Deutschen Delegation nahm er an der Klimakonferenz in Paris teil.

Von Marschall umriss in seinen Eingangsworten die Dramaturgie des Pariser Weltklimagipfels, die Prof. Schellnhuber auch in seinem Buch „Selbstverbrennung“ schildert: In den letzten Stunden erst sei die essenzielle Weichenstellung gelungen. Doch nun seien weltweit weitere Anstrengungen nötig, um das ambitionierte Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, einhalten zu können. Im Besonderen erinnerte von Marschall an die Notwendigkeit, dass die deutsche Automobilindustrie nun nach vorne preschen müsse, um ihre Vorreiterstellung zu bewahren. Die Zukunft seien innovative, klimafreundliche Technologien, an denen nun unter Hochdruck geforscht werden müsse. Die USA und Asien nehmen CO2- arme Innovationstechnologien sehr ernst und Deutschland riskiere seine Pionierrolle in der Automobilbranche, obwohl die technischen Voraussetzungen bereits bestünden. An dieser Stelle erinnerte von Marschall daran, dass Deutschland schon 1995 mit der damaligen Bundesumweltministerin, Angela Merkel, die Entwicklung der internationalen Klimapolitik entscheidend mitgeprägt hat.

Das UWC College sei, so von Marschall, der ideale Ort, um über den Klimaschutz zu diskutieren, der ja Teil einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitspolitik sei. Vor diesem Hintergrund fiel von Marschall ein Plakat am Eingang des UWC mit folgendem Text ins Auge: „What if the climate crisis is the best chance to build a better world?“. Die UWC Schülerinnen und Schüler erinnerten somit daran, dass der Klimaschutz einen Anstoß zur globalen Gerechtigkeitsentwicklung gebe – diese werde uns, nicht zuletzt mit Blick auf die Flüchtlingsströme, vor Augen geführt und nehme uns alle in die Pflicht.

Im Zentrum der anschließenden Vorlesung von Prof. Schellnhuber stand die bildhaft veranschaulichte Entwicklung des Klimas. Prof. Schellnhuber betonte, dass der Aufbruch in ein neues Zeitalter unvermeidlich sei. Die Frage sei nur, ob wir dieses aktiv mitgestalten möchten. Die Wissenschaft ermögliche uns jeden Tag, aus neuen Entdeckungen Wissen zu generieren. „Hinter jeder Tür stecken aber auch erschreckende Erkenntnisse“, so Schellnhuber, der im Zuge seiner Mitberatung bei der päpstlichen Enzyklika „Laudato Si“, selbst schon als „Klimapapst“ bezeichnet wurde. Eindrücklich warnte er, dass uns die Schöpfung zerstören würde, sollten wir versuchen die Schöpfung zu zerstören. Selbst wenn das 2 Grad-Ziel erreicht würde, seien die Korallenriffe des Great-Barrier-Reefs der Zerstörung preisgegeben und auch Grönlands Eis wird schmelzen. Der menschliche Einfluss sei zudem so groß, dass die nächste Eiszeit „abgesagt“ sei. Die Folgen dieser klimatischen Wechselwirkungen werden den größten „Umzug der Menschheit“ bewirken, neben dem die Zahlen der Flüchtlingsströme von heute klein aussehen würden. Es müsse ein neuer Geist der Solidarität und Kooperation geschaffen werden. Der Klimagipfel von Paris sei ein erster Schritt in diese Richtung gewesen. Nicht zuletzt sei Klimaschutz eine Weltbürgerbewegung, die von der Zivilgesellschaft maßgeblich gefordert werde. Das Publikum, das bislang gespannt zuhörte, hatte nun die Gelegenheit Fragen zu stellen und sofort gingen viele Finger in die Höhe.

Prof. Schellnhuber und Matern von Marschall betonten, dass die notwendigen Technologien für den Wandel bereitstünden. Der Weiterentwicklungsprozess würde bislang durch die eigennützige Bewahrung von Besitzständen verhindert. Auch stimmte von Marschall mit Prof. Schellnhuber darin überein, dass „die Zukunft der Menschheit zu wichtig ist, als dass sie den Regierungen alleine überlassen werden darf“.

Auf die Frage, wie sich von Marschall als Abgeordneter auf Bundesebene für den Klimawandel einsetze, erklärte er, dass er die Beförderung von Technologien unterstütze, die auf Kohle- und Ölnutzungen verzichte. Vor allem im Verkehrssektor sehe er das größte Potenzial. Hier müsse Deutschland wieder eine Vorreiterrolle einnehmen und hochentwickelte, saubere Technologie preiswert exportieren. Es bräuchte aber einen „Aha-Moment“, der insbesondere die Wirtschaft und Industrie aufwecke. Sobald beispielsweise ein preiswertes E-Auto mit hoher Reichweite am Markt gut ankomme, entstehe die Dynamik von selbst und der Durchbruch könne gelingen. Von Marschall unterstrich auch die Bedeutung Freiburgs, eine Stadt, die mit ihrem nationales Leistungszentrum für Nachhaltigkeit ein Symbol in die richtige Richtung aussende. „Wer, wenn nicht Freiburg weist in die klimafreundliche Zukunft“, stimmte Prof. Schellnhuber ihm zu. Damit war ein griffiges Schlusswort für eine eindrucksvolle Veranstaltung gefunden, die Theorie und Praxis in zukunftsweisender Manier auf die Bühne brachte. Von Marschall und Prof. Schellnhuber zeigten sich beeindruckt von den interessierten SchülerInnen des UWC, die mit ihren zahlreichen Fragen an die Referenten die Generationengerechtigkeit in der Klimapolitik forderten, die sie verdient.

Lesen Sie hierzu was die Badische Zeitung berichtet: „Einfach hier anklicken